Kaum ein Street Art-Künstler hat das Wiener Stadtbild im letzten Jahrzehnt derart mitgeprägt wie BUSK. Das bekannte Affenkopfmotiv sowie die Schriftzüge BUSK und CMOD sind in zahlreichen städtischen Grauzonen, an exponierten Wänden, auf belebten Straßen oder in versteckten Ecken präsent. Der Name BUSK, der im Englischen soviel wie Straßenkünstler bedeutet, sowie das Kürzel CMOD für „City Modification“ sind dabei Programm: Als visuelle Spuren bezeichnen diese nicht nur eine tatsächlich stattgefundene Grenzüberschreitung von Baustellenzäunen, Absperrungen verlassener Orte, schwindelerregenden Höhen oder verstekkten Außenzonen der Stadt, sondern auch eine ständiges Einschlagen neuer Wege im Hinblick auf die eingesetzten Materialien und die entwickelten Formen. Es kommen Sprayfarbe, Kugelschreiber und Marker ebenso zum Einsatz wie ausgedruckte Schwarzweiß-Plakate, gefaltetes Papier, Sticker oder festgeklebte Steine, Holz und Stoff. Der Aufwand, die Größe und Ausarbeitung der Motive hängt von der jeweiligen Oberfläche und der nötigen Schnelligkeit bei der Anbringung ab. Um die großformatigen bis sehr kleinen Wort- und Bildspiele zu entdecken, muss man oft einen Schritt zurück oder nach vorne treten, oder den Blick nach oben und in ungewohnte Richtungen lenken. Das Interesse des Kommunikationsdesigners richtet sich vor allem auf die Linie, die durch diese begrenzten Flächen und die durch sie erzeugten Figuren, Logos, Buchstaben und Schriften. Bereits 1995 entwickelte BUSK über Graffiti seine Leidenschaft für Typografie, Zeichensätze, Schriftarten und -schnitte. Zunächst setzte er sich vor allem mit handgeschriebener Schrift und deren Charakteristika auseinander. Fasziniert davon, wie viel von der Persönlichkeit eines Menschen bereits in einem einzelnen von ihm geschriebenen Zeichen quasi gespeichert sein kann, beschäftigte sich BUSK in weiterer Folge auch mit der historischen Entwicklung von Schriftsystemen und -stilen. Sein instinktiver und spielerischer Zugang bei der manuellen und digitalen Generierung von neuen Typografien ist dabei mit der Komposition von Musik aus vielen unterschiedlichen Stimmen, Themen und Variationen vergleichbar, die sich schließlich zu einem harmonischen Ganzen fügen. Die Kreation eines neuen Fonts ist dabei ein langer, fast meditativer Prozess, der von freier Imagination, über Handskizzen bis hin zur digitalen Ausarbeitung als Datensatz reicht. CMOD/BUSK ist heute längst zum Logo und zu einer Marke geworden. So wird der Wiener nicht nur von verschiedenen Unternehmen zur Gestaltung von Innenräumen, Plakaten, Fahrzeugen oder Plattencover engagiert, er erzeugt auch längst seine eigenen „Produkte“, wie T-Shirts, Skateboards oder kleine Holztafeln mit dem Affenkopf, die im Internet oder bei diversen Kunstveranstaltungen als „Kultobjekte“ gehandelt werden. Er wurde auch zur Teilnahme an Kunstausstellungen in Wien, Bukarest, Innsbruck, Mailand, Salzburg, und New York eingeladen. Dass BUSK zu seinen Vorbildern nicht nur historische Größen wie den Vorläufer der heutigen Tagger-Kultur, Josef Kyselak, oder den Begründer des „Ready-Mades“, Marcel Duchamp, zählt, sondern auch Donkey-Kong – eine Kultfigur der populären Videospiele –, lässt auf den humorvollen und vielschichtigen Zugang des Künstlers zu Fragen der visuellen Gestaltung von Formen schließen.

Hardly any other street artist has helped shape the cityscape of Vienna as much as BUSK. The famous monkey head as well as the writings BUSK and CMOD can be found in many of the urban grey areas, on exposed walls, in crowded streets or in hidden corners of the city. The name BUSK relating to the English expression for performing music in the streets and the abbreviation CMOD for ‘city modification’ stand for the program carried out by the artist each and every day. As some kind of visual traces his works not only mark transgressions which have actually happened – of boarders, fences of construction sites or abandoned places, vertiginous heights or peripheral areas – but also represent a permanent search for new ways as to the materials employed and the forms developed. Spray-can paint, ballpoints and markers are used as well as printed black-and-white posters, folded paper, stickers or stones, wood or fabric affixed to some surface. The complexity, size and elaboration of the motives are thereby depends on the particular surface and the necessary speed when applying them. To discover the either large-format or rather small typographical or pictorial puns one may have to step backward, come closer or direct one’s eyes upwards and into uncommon directions. The communication designer mainly focuses on the line and the planes, figures, logos, letters or writings it defines. Already in 1995 the Viennese artist developed his passion for typography, fonts, styles and cuts of lettering via his involvement in graffiti art. First he mainly analyzed handwriting and its characteristics. Fascinated by the fact how much of an individual’s personality may be “stored” in one single character written by her or him, BUSK also studied the historical development of systems and styles of scripture. His instinctive and playful approach to the creation of manual and digital typography can be compared to the composition of music out of different voices, themes and variations, which finally build one complete and harmonious whole. Thus a new font is a long, nearly meditative process, leading from free imagination and freehand sketches to the digital generation of a completely elaborated data set. Meanwhile CMOD/BUSK is a logo and a trademark. Thus the Viennese artist is not only invited by different enterprises to create interior designs, posters, vehicles or record covers but also creates his own “merchandise” such as TShirts, skateboards or small wooden plates with the monkey head, which are sold on the Internet or at diverse art events as a special kind of “style icons”. He has also been invited to participate as an artist in group exhibitions in Vienna, Bucharest, Innsbruck, Milan, Salzburg and New York. The fact that BUSK not only rates the founder of today’s culture of tagging, Josef Kyselak, or the inventor of the readymade, Marcel Duchamp, among his historical heroes but also an icon of popular and videogaming culture, namely Donkey-Kong, hints to the humorous and multilayered approach of the artist with regard to questions of the visual design of forms.

Text: Elisabeth Fritz

PAUL BUSK @ OXYMORON GALERIE:
Sommerfrische (14.Juli – 30.Juli 2016)


24×14 Pixel



Busk-Cmod-Gasse / Guerilla installation



BLITZKRIEG
Die Matrix einer Stadt wird in Momentaufnahmen „gehackt“ und neu aufgelöst. Durch die bestehende Ordnung hindurch schaffen Graffiti einen Augenblick der Irritation. Doch keine dieser hinterlassenen Spuren bleibt für die Ewigkeit.

Durch die Herrschaft der Verwaltung, des Eigentums oder auch aus versicherungstechnischen Gründen wird es Graffiti nie gelingen spezifische Orte oder Räume dauerhaft zu besetzten. Denn Lärmschutzwände werden geputzt, U-Bahnen mit Anti-Graffiti-Lack geschützt, Hauswände und Geschäftsportale in regelmäßigen Abständen gereinigt oder Kunstsammler „pflücken“ Werke und nennen sie ihr eigen. Graffiti ist ständiger Zensur unterworfen. Dadurch wird die Dokumentation zu einem wichtigen Bestandteil des „Graffitikreislaufes“, sowohl von Seiten der AkteurInnen als auch der BetrachterInnen. Meist in der Nacht angebracht, wird direkt nach Fertigstellen der Arbeit mit Hilfe von Blitzlicht das Werk auf Film gebannt. Dies ist oft der einzige Augenblick der es der GestalterIn ermöglicht ihre Arbeit real, in aller Farbenpracht zu sehen.

Die Installation Blitzkrieg setzt sich aus Stroboskopen zusammen die eine 5×5 Punkt Pixelmatrix ergeben. Mit dieser Matrix blitzen wir in zeitlichen Abständen wiederholt Graffiti-Namen und nutzen so überfallsartig den Ausstellungsraum.

Anker / Paul Busk / emilone

Steuerung und Programmierung: Manuel Posch
Lichttechnik: Piotr Znajkowski



The little chocolate fountain
Sprühdose mit Schokolade befüllt, fatcap, Klebeband, 2016



combat de rue
combat de rue / Papier, Holz, Lack / 70 × 100 cm
Graffiti und Vandalismus
Ein in doppelter Hinsicht vielschichtiges Kunstwerk ist von Busk, einem der etabliertesten und am längsten tätigen Street-Art-Künstler Österreichs, ausgestellt. Er hat mehrere Lagen verschiedenfärbigen, grellbunten Papiers auf einem Holzbrett angebracht und teilweise wieder abgerissen, so dass am Ende sein Namensschriftzug „Busk“ zu lesen ist. Das Werk setzt sich zunächst mit dem Problem der geringen Haltbarkeit von Graffiti auseinander, wie es im Begleittext zur Ausstellung heißt. Schließlich kann nicht nur das illegale Ansprühen von Hausfassaden als Vandalismus angesehen werden – sondern auch das Zerstören („Abreißen“) von Kunstwerken, die auf diese Art entstanden sind.
Simon Hadler, ORF.at



Intervention_F1
Deep Inc., Paul Busk, Wien, 2004, Foto: Lukas Beck, C-Print auf Alu, 90cm/90cm
Die Urban Intervention, die innerhalb von drei Nächten das Flugdach der U-Bahn-Station Hietzing in das Abbild einer prototypischen Rennbahn verwandelten. Die Ausnutzung einer paradoxerweise in der städtischen Landschaft natürlich vorgeprägten Form, sowie die Dreidimensionalität, die monumentale Größe (rund 3000 m2) & die Unbesitzbarkeit des Kunstwerks lassen zudem deutlich seine Tendenz zur Land Art erkennen.



Photogram Series
Markus Oberndorfer & Paul Busk, Negative Images and Stencil on Photo Paper, 60x80cm, 2016



Portrait
2009



Stencils
Kunstofffolie geschnitten, Klebeband, diverse Holzleisten, verschraubt; 160 × 173 cm & 173 × 160 cm; 2016



Talk